Einblicke in die Geschichte

La dlieja - Kirche und Seelsorge

Ursprünglich wurde Gröden von der Urpfarre Albeins aus betreut. Seit dem 12. Jahrhundert war der Pfarrer von Lajen für die Seelsorge in Gröden zuständig. Dieser kam wohl nur sporadisch, zur Advents- oder Fastenzeit, ins Tal, um die Gläubigen zu unterrichten und ihnen die Sakramente zu spenden. Anscheinend gaben sich die Grödner Gemeinden mit dieser unregelmäßigen Seelsorgetätigkeit nicht zufrieden. 1418 kam es endlich zu einer Vereinbarung mit dem Pfarrer von Lajen: Ein der deutschen und „wälschen“ Sprache mächtiger Seelsorger sollte seine ständige Wohnung in St. Christina nehmen. Damit verfügte das Tal erstmals über einen ständigen Seelsorger. Dieser versorgte nicht nur die Grödner Gemeinden, sondern bis 1516 auch Kolfuschg. Zunächst wurde an Werktagen die Messe in St. Christina gefeiert und an Sonn- bzw. Feiertagen entweder in St. Christina, St. Ulrich oder St. Jakob. Eine Neuregelung von 1513 verfügte, dass der Priester zwar nach wie vor seinen Sitz in St. Christina hatte, allerdings dort nur mehr am ersten Sonntag des Monats und an einigen Festtagen den Hauptgottesdienst halten sollte. Die restlichen Gottesdienste sollten in St. Ulrich abgehalten werden. Das Taufwasser durfte aber ausschließlich in der Kirche von St. Christina geweiht werden, die somit lange der religiöse Mittelpunkt des Tales blieb. Der ausgedehnte Seelsorgebezirk wurde in der Folge mehrmals zergliedert: 1516 wurde in Kolfuschg, 1655 in St. Ulrich eine Kuratie errichtet, 1735 entstand das Benefizium Wolkenstein. 1902 wurde St. Ulrich zur Pfarre erhoben, wodurch die jahrhundertealte Zugehörigkeit Grödens zu Lajen ein Ende fand. Die Pfarrerhebung St. Christinas erfolgte 1922, erster Pfarrer wurde Andreas Pramstrahler. 1949 wurden alle Grödner Pfarren im Dekanat Gröden vereint.

Das Gebiet der Pfarrei deckt sich nicht mit jenem der Gemeinde. Während die Gemeindegrenze zu Kastelruth im Westen vom Jenderbach markiert wird, greift die Pfarre darüber hinaus und erfasst auch den Ortsteil Custacia. Den Bewohnern dieses östlichen Teiles von Überwasser (neun Höfe und elf Häuser umfassend) wurde bereits am 20. Jänner 1652 die bischöfliche Erlaubnis erteilt, den Gottesdienst in St. Christina zu besuchen, womit sie von der Kuratie Pufels ausgegliedert und der Kuratie St. Christina zugeordnet wurden. Auch die Ortsteile von Plan da Tieja, Ruacia, Dorives und bis vor kurzem Ciaslat und Ronch gehören zwar zum Gemeindegebiet Wolkenstein, jedoch zur Pfarre St. Christina.

Bereits im 13. Jahrhundert soll an der Stelle des heutigen Mesnerhauses von St. Christina ein kleines Kirchlein gestanden haben, welches der Hl. Christina von Bolsena geweiht war. Die römische Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert gab der Ortschaft ihren Namen. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Kirche 1366, in einer Abschrift eines päpstlichen Ablassbriefes aus Avignon von 1342. Mehrere Erweiterungen und Zubauten führten dazu, dass der Bau zwar eine Synthese verschiedener Stilrichtungen der Kunst darstellt, als Ganzes aber dennoch einen ausgewogenen und harmonischen Gesamteindruck macht. Ursprünglich im romanischen Stil erbaut, wurde die Kirche im 15. Jahrhundert gotisiert. 1420 wurde sie der Hl. Christina und dem Hl. Antonius (Abt) geweiht. Eine Erweiterung wurde dann 1730 in der Stilrichtung des Barock vorgenommen. 1842-1845 musste das Gotteshaus erneut vergrößert werden, „da die Räume nicht mehr für zwei Drittheile der Seelsorgs-Angehörigen genügten“. Die Kirche wurde nach Westen erweitert und mit zwei Seitenschiffen versehen, für die Kosten (über 7.000 Gulden) kamen v.a. auswärtige Grödner auf. Die sechs Glocken, die heute im Turm hängen, wurden in den Jahren 1924/25 gegossen, hatte man das Metall der alten doch während des Ersten Weltkrieges zu Kanonen verarbeitet. Seit 1929 läuten sie mit elektrischem Antrieb. Der Organist spielt seit 1980 auf einer neuen Orgel. Eine Innenrestaurierung erfolgte 1986, bei der Turmrestaurierung im darauf folgenden Jahr kamen Fresken aus dem 14. Jahrhundert zum Vorschein. Der Turm ist eben einer der ältesten, noch erhaltenen Teile der Kirche. Er stammt aus dem Mittelalter (13. Jahrhundert) und gilt aufgrund seiner architektonischen Ausgeglichenheit als einer der schönsten in ganz Südtirol.

Der Priester hatte großen Einfluss auf die Geschicke der Gemeinde, kirchliches und weltliches Leben waren lange stark miteinander verflochten. An den Geistlichen wandte man sich nicht nur bei religiösen, sondern auch bei rechtlichen und persönlichen Fragen, schließlich genoss er als Mann zwischen Himmel und Erde und als Gelehrter, der die Schreibkunst beherrscht, das Ansehen der Bevölkerung. Ab der Gründung eines Priesterseminars 1607 in Brixen, konnten die ladinischen Täler größtenteils mit einheimischem Klerus versorgt werden. Primizen, die Erstmessen der Ortskinder, waren ein Fest für die ganze Gemeinde. Immer wieder entschlossen sich junge Männer und Frauen den Priesterberuf zu ergreifen bzw. in einen Orden einzutreten. Der bis heute verehrte Andrea Desalla las 1896 seine erste Messe in St. Christina. 1872 in St. Ulrich in ärmlichen Verhältnissen geboren, hatte der talentierte Schüler Theologie in Trient studiert, war dann als Kaplan in Lengstein auf dem Ritten und anschließend für neun Jahre als Benefiziat zu St. Anton (in St. Ulrich) tätig. 1908 kam er nach St. Christina, wo er über 50 Jahre als Frühmesser wirken sollte. Grödner, aber auch Leute aus ferneren Gegenden, suchten Desalla oft um Rat auf. Für jeden hielt er ein tröstendes Wort, einen guten Rat bereit. Man wandte sich auch bei weltlichen Angelegenheiten an ihn, z.B. wenn man irgendeinen Gegenstand vermisste. Von Seniëur Andrea hielt man eben viel, oft kannte er die Lösung oder hatte die richtige Antwort parat, ganz so als hätte er über übernatürliche Fähigkeiten verfügt. Er verstarb am 14. Jänner 1959 in St. Christina. Kerzen und Blumen auf seinem Grab bezeugen, dass er auch noch 50 Jahre später von der Bevölkerung verehrt wird.

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