Einblicke in die Geschichte

I seniёures - Der Fremdenverkehr

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wagten sich einige Naturforscher, Geologen oder Botaniker auf der Suche nach seltenen Mineralien und Pflanzen in die steinerne Gebirgswelt vor. Der französische Geologe Déodat de Dolomieu gab dem bleichen Gestein, das, wie der Schweizer Saussure feststellte, nicht aus Kalk sondern einem anderen Mineral zusammengesetzt war, seinen Namen: Dolomit. Durch den Bau der Grödnerstraße (1856) war das Tal für den Tourismus erschlossen und schon bald strömten immer mehr Fremde ins Tal. Grund war eine neue Euphorie, eine Mode, die sich unter den bürgerlichen Schichten in den Städten zunehmend ausbreitete: der Alpinismus. 1857 wurde in London der erste Alpinclub gegründet, Wien ließ mit dem Österreichischen Alpenverein (1862) nicht lange auf sich warten. Clubs und Vereine gaben Zeitschriften heraus, die schon bald auch von den Naturschönheiten Tirols und natürlich der Bergwelt der Dolomiten berichteten. Den meisten war „Gröden“, das Tal der Holzschnitzer, ohnehin schon ein Begriff. 1860-1890 erfolgte die alpinistische Erschließung der Dolomiten. Dem Wiener Paul Grohmann glückte 1869 die Erstbesteigung des Langkofels. So mancher Grödner Bauer wird über diese ersten „Narren“, die nichts Besseres zu tun hatten als „mit Seil und Pickel die Berge hinaufzukraxeln“, den Kopf geschüttelt haben. Doch schon bald wurden auch Einheimische vom „Bergfieber“ angesteckt. 1885 wurde die Sektion Gröden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DÖAV) mit Sitz in St. Ulrich (Hotel Adler) gegründet. Mit seiner vielfältigen Tätigkeit (Wegmarkierungen, Herausgabe maßstabgetreuer Karten und Führer) leistete der Verein einen wichtigen Beitrag für den beginnenden Tourismus. Außerdem war er „für die Heranbildung tüchtiger Führer und die Feststellung der Führertarife“ zuständig. Der Alpinismus eröffnete den Einheimischen eine neue Erwerbsquelle. Bauernsöhne trugen schwere Rucksäcke oder halfen beim Bau von Schutzhütten. Der Bergführer war um 1890 verpflichtet, Gepäck bis 8 kg unentgeltlich zu tragen, für jedes zusätzliche Kilogramm berechnete er 2 Kreuzer pro Marschstunde. Erster autorisierter Führer des Tales war Batista Vinatzer (Carai) aus St. Ulrich. 1887 gab es bereits vier Führer in St. Ulrich und einen in Wolkenstein; 1891 scheinen für St. Ulrich sieben und für Wolkenstein ein autorisierter Führer auf, für St. Christina hingegen noch keiner. 1893 zählte man 22 Bergführer für das ganze Tal, 1911 waren es 26. Für die Sektion Gröden war es nicht immer einfach ihre Tätigkeit zu koordinieren. Vor allem in Wolkenstein gingen anscheinend „junge Burschen als Bergführer verkleidet in die Wirtshäuser und geben sich den Fremden als Führer aus, ohne eine Führer- oder Trägerlegitimation zu besitzen.“ Anscheinend waren die Grödner Bergführer von Anfang an gut ausgebildet, so berichtet ein Reisender im Jahr 1893: „(...) wenn man bedenkt, daß von den (...) Führern des Thales gewiß zwei Drittel auf die berüchtigte Fünffingerspitze führen, so kann man ohne Übertreibung behaupten, daß sich die Grödner Bergführer weit über den Durchschnitt erheben.“

An den Alpinismus schloss ein elitärer Sommerfrische-Tourismus an. Die noblen Beherbergungsbetriebe in St. Ulrich mit „zeitentsprechendem Comfort“ entsprachen den Bedürfnissen der finanzkräftigen Bürgerschicht. Die Voraussetzungen für einen gehobenen Sommerfrische-Tourismus waren von der Holzindustrie geschaffen worden, so waren die weltoffenen und sprachgewandten Verleger zumeist die ersten Hoteliers. Sie verfügten nämlich über das Kapital für kostenintensive Investitionen in die touristische Infrastruktur. Um 1870 zählte St. Ulrich gerade 100 Gäste, 1890 waren es bereits weit über 1.000. Der Einzelhandel wuchs, Lebensmittelläden, Cafés, Friseursalons wurden eröffnet - der dörfliche Charakter des Ortes wich zunehmend städtischem Flair. Obwohl das Talinnere eine bessere Ausgangslage zu den Dolomitengipfeln aufgewiesen hätte, setzte dort der Tourismus später ein. 1890 zählten St. Christina und Wolkenstein noch keine 100 Fremden. Ende des 19. Jahrhunderts war das Gasthaus Dosses mit vier Zimmern (Preis von 50 Kreuzer bis 1 Gulden) der einzige Beherbergungsbetrieb in St. Christina. Freilich konnte Franz Moroder damals noch nicht ahnen, welche rasante Entwicklung der Gemeinde noch bevorstand:

„Die Centralisation für den Fremdenverkehr Grödens war seit jeher St. Ulrich und wird es wohl weiter verbleiben, nachdem einzig nur dort für eine entsprechende Unterkunft auf kurze oder auch auf längere Zeit für zahlreiche Besucher gesorgt ist und St. Ulrich überdies den Mittelpunkt für den Handel und Verkehr bildet und Station für Post und Telegraph ist. Doch finden derzeit einzelne Fremde mit bescheidenen Ansprüchen auch in St. Christina und Wolkenstein gute Unterkunft und man wird sicherlich dort im eigenen Interesse noch weitere Vorsorge treffen, um dem wachsenden Fremdenverkehr zu genügen.“

Noch vor dem Ersten Weltkrieg konnten Gäste in den Gasthäusern zu Uridl oder Dëur, beim Unterkofl-Wirt, im neuen Hotel Post (1912) oder zu Dosses einkehren. Letzteres, im Besitz des Alois Schenk, mit 50 Betten und zwei Nebengebäuden, verfügte laut Werbeanzeige von 1914 über „geräumige, gemütliche Fremdenzimmer, mit und ohne Pension. Ein- und Zweispänner. Elektrische Beleuchtung.“ Ein noch größeres Fassungsvermögen hatte die Hotel-Pension Wolkenstein (seit 1904) mit 45 Zimmern und 65 Betten. Außerdem verfügte das Dorf damals bereits über elektrischen Strom, Postamt mit Telegraf und Telefonstelle.

Die günstige Entwicklung des Fremdenverkehrs wurde durch die Ereignisse des Ersten Weltkrieges jäh unterbrochen. Gleich danach begann aber ein neuer Aufschwung, sodass man nach Überwindung der Weltwirtschaftskrise bereits mehr Besucher registrieren konnte als vor dem Krieg. Der Wintersport ließ ab der Zwischenkriegszeit eine zweite Saison entstehen. Diese günstige wirtschaftliche Entwicklung in den 1930ern bescherte der Gemeinde einen bescheidenen Wohlstand, was auch aus der demographischen Entwicklung klar ersichtlich wird. Die gesetzliche und tarifliche Regelung der Urlaubsansprüche, die Einkommenssteigerung für breite Bevölkerungsschichten und die steigende Mobilität der Gesellschaft ließen nach dem Zweiten Weltkrieg den Massentourismus in das Tal einbrechen. Das Hochgebirgstal Gröden gehört zu den Gewinnern des weltweiten sozioökonomischen Wandels: Der Tourismus bescherte dem Tal einen bis dahin nie gekannten Wohlstand, bewirkte aber auch einen enormen Strukturwandel, der nicht ohne Beeinflussung der Umwelt, der sozialen Bindungen und der Identität der Einheimischen erfolgte.

Die Regensburger Hütte

Mit dem Beginn des Alpinismus kam es schon bald zum Bau erster Schutzhütten. Strapazen bei längeren Touren konnten dadurch reduziert, Bergsteigern Schutz- und Übernachtungsmöglichkeit geboten werden. Die Cislesalpe stellte einen idealen Ausgangspunkt für Bergtouren dar, die vielbestiegene Geislergruppe war von dort leicht erreichbar. Mit den schönen Zeichnungen in seinem alpinen Skizzenbuch hatte der Regensburger Max Schultze die Gruppe unter deutschen Alpinistenkreisen bekannt gemacht. Als Obmann der Sektion Regensburg des DÖAV veranlasste Schultze schließlich den Bau einer Hütte „nach seinem eigenen Plane und mit nicht unbedeutenden Kosten aus seinem eigenen Säckel“. Die Errichtung des Gebäudes kostete an die 1900 Gulden. Am 26. August 1888 konnte es als „Regensburger Hütte“ (2040 m) mit Musik und unter Anteilnahme zahlreicher Gäste und Einheimischer feierlich eröffnet werden.

Über die Festlichkeiten an jenem Tag gibt ein zeitgenössischer Bericht Auskunft:

„Es war eine sehr gelungene Festlichkeit mit einem im Sektionssaal des Gasthofes ‚Zum Adler‘ in St. Ulrich arrangierten Souper unter Teilnahme von neun Mitgliedern der eigenen Sektion und Angehörigen auswärtiger Sektionen, wobei Gröden am stärksten vertreten war. Bergfeuer leuchteten vom Puflatsch herab. Am nächsten Morgen brachen die Teilnehmer nach dem Besuch des feierlichen Gottesdienstes zur Hütte auf. Sie selbst und die herrliche Lage erregten allgemeine Bewunderung. Auch hier waltete der Geistliche, Herr Curat Pezzli [Richtigstellung: Pezzei ], seines Amtes. Die Redner würdigten das Ereignis. Professor Steinmetz stattete dem Manne den gebührenden Dank ab, der die schwerste Last getragen hatte: Herrn Baurat Schultze. Das herbeigeströmte Volk aus dem Thale genoss das Volksfest, und die Bergsteiger aus Regensburg erklommen die höchste Spitze der Geislergruppe, den Sass Rigais. Das Innere der durchaus gemauerten, mit Schindeldach versehenen, solid gebauten Hütte ist durch eine bis nahezu an die Decke reichende Täfelung in zwei Räume abgeteilt; der vordere als gemeinschaftliche Stube überaus wohnlich eingerichtet, mit dem seitlichen Kochherd; der rückwärtige enthält acht, auf das Beste ausgestattete Matratzenlager, getrennt durch hölzerne Seitenwände. Im Unterdachraum sind Heulager. An das vordere Lokal stößt der kleine, tiefer gelegene Keller an.“

Dass dabei auch politische Motive nicht ganz unbedeutend waren, gestand der Kassier der Sektion Regensburg 1920: „Der Hüttenbau in Gröden wurde in erster Linie vom damaligen Zentralausschuß angeregt, der dadurch der Erhaltung und Förderung des Deutschtums unter den Ladinern nützen zu können glaubte.“ Wie dem auch sei, die zunächst noch nicht bewirtschaftete Hütte erfreute sich bald regen Besuches. Die Benützung der Einrichtung, meist durch Alpenvereinsmitglieder, unterlag einer detaillierten Hüttenordnung. 1890 wurde ein Lebensmittellager eingerichtet, um die Bergsteiger der Sorgen um ihre Verpflegung zu erleichtern. In der nahen Ochsenhütte gab es frische Milch. Als der Fremdenzustrom von Jahr zu Jahr größer und die Hütte zur regelrechten „Fremdenattraktion“ wurde, fühlten sich Bergsteiger allmählich von Wanderern und Spaziergängern verdrängt. In diesem Sinne berichtete die Sektion an den Zentralausschuss:

„Es hat sich als großer Mißstand herausgestellt, daß an vielen Tagen während der Hochsaison die Hütte von Sommerfrischlern – Herren, Damen und Kindern –, von welchen ein großer Teil gar nicht Mitglied des Alpenvereins ist, derart überfüllt ist, daß von Hochtouren in der Geislergruppe zurückkehrende, oder zu solchen ausrückende Touristen kaum ein Plätzchen finden können. Man kann also getrost sagen, daß an solchen Tagen die Hütte bisher oft ihrer eigentlichen Bestimmung entrückt war. Dieser Massenbesuch seitens der in Gröden weilenden Sommerfrischler wird sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen, ja er wird sich noch steigern, zumal, wenn die Hütte bewirtschaftet ist.“

Um solchen Missständen beizukommen wurde 1896 die Vergrößerung der Hütte beschlossen. Ab 1897 wurde die Hütte von Mitte Juni bis Ende September bewirtschaftet, bis 1907 von Luise Skasa, Ehefrau des bereits genannten Vergolders und Fotografen Konrad Skasa. 1914 standen den Gästen 13 Zimmer und zwei gemeinschaftliche Schlafräume mit 33 Betten zur Verfügung. Nachdem die alte Quelle versiegt war, ließ die Sektion Regensburg 1913/14 eine Wasserleitung anlegen. Noch vor dem ersten Weltkrieg verfügte die Hütte über einen Telefonanschluss, das Kabel wurde dann während des Ersten Weltkrieges entwendet. Damals fanden dort militärische Ausbildungskurse statt. Nach dem Krieg ging die Hütte in den Besitz des C.A.I.-Firenze (Club Alpino Italiano – Italienischer Alpenverein) über. Nunmehr als „Rifugio Firenze“ bezeichnet, wurde sie bis 1940 von Johann Nepomuk Demetz (da Tlusel) bewirtschaftet. Anschließend wurde der Hüttenbetrieb vom Bergführer und Skilehrer Mathias Perathoner, schließlich von seinen Kindern Viktor und Resi übernommen. In der Nachkriegszeit wurde die Hütte mehrmals vergrößert, 1968 um ein Stockwerk erhöht.

Die Langkofelhütte (2.256 m) wurde hingegen 1903 von der Sektion Wien des DÖAV erbaut. Nach dem Ersten Weltkrieg ging sie als „Rifugio Vicenza“ in das Eigentum des C.A.I. über.

Wintersport, das weiße Vergnügen

Ansatzweise begann der Wintersport mit organisierten Skikursen, Ski- und Rodelrennen bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Der eigentliche Durchbruch erfolgte allerdings in den Zwischenkriegsjahren, als sich mehr und mehr Menschen für die neuen Sportarten begeistern ließen.

Die Skier stammen aus den skandinavischen Ländern, wo sie den Einheimischen schon seit Jahrtausenden zur Fortbewegung auf dem Schnee dienen. Im hohen Norden lernten Reisende den Ski kennen und machten ihn dann in ihrer Heimat bekannt. So hatte auch der Münchner Emil Terschak in Norwegen das Skifahren gelernt. 1893 tauchte er mit den Holzbretteln in Gröden auf, womit das Tal das neue Freizeitvergnügen bereits früh kennen lernte. Die zunächst noch sehr langen Skier wurden mit Lederriemen an gewöhnliche Bergschuhe festgeschnallt und ab ging die Fahrt über schneereiche Hänge. Zum Bremsen diente der lange „Bergstock“ und natürlich öfters auch der Hosenboden der breiten Pumphosen aus grobem Loden. Terschak etablierte sich in St. Ulrich, wo er eine Vielzahl touristischer Aktivitäten lancierte. Der unternehmungsreiche Maler brachte einen Führer heraus, zeichnete, fotografierte, war Mitbegründer des Rodelclubs. Dieser erste Wintersportverein, der 1896 in St. Ulrich gegründet wurde (Clublokal im Hotel Post), kann als Vorläufer des Skiclubs gelten. Seelsorger Anderlan war wegen der anscheinend allzu lockeren Sitten des Münchners besorgt. Noch dazu war er Protestant, was im katholischen Gröden nicht gern gesehen war. Im Jahre 1900 übersiedelten die Terschaks nach Cortina, wo sie wichtige Pionierarbeit im Tourismusbereich leisteten. Das erste Skirennen des Tales wurde 1908 auf der Strecke Dantercёpies-Wolkenstein ausgetragen. Bei der Gründungssitzung des ersten Skiclubs („Dolomitenalpenskiklub Ladinia“) im Jänner 1909 in St. Ulrich, wurde dem Bergführer Alois Brugger aus St. Christina „eine Stelle als Fahrwart und Tourenwart“ übergeben. Bergführer waren die ersten Skilehrer, sie führten die Fremden auf die Seiser Alm, Monte Pana, das Grödner- oder Sellajoch. 1922 wurde dann auf Initiative von Giovanni Kerschbaumer (Monte Pana) der Skiclub Sella in St. Christina gegründet. Schon bald ließ der Ort wegen seiner guten Skiläufer aufhorchen. Internationalen Ruhm erntete Giovanni Demetz (da Iman). Während seiner Dienstzeit beim Militär wurde er zum Langlauf-Staffelrennen bei den Olympischen Spielen in Grenoble (1924) berufen. Später wurde der Erbauer der „Toni-Demetz-Hütte“ (1954, in Erinnerung an seinen auf dem Langkofel verunglückten Sohn) als einer der besten Bergführer des Tales weit bekannt. Erste staatliche Skilehrerprüfungen fanden 1932 in Claviers statt. Zwei von den Fünfen, die bestanden, waren Grödner (Hans Delago und Leo Perathoner). Mateo Demetz (Motz de Tita d’Odl) legte kurz darauf die Prüfung ab und wurde somit zum ersten staatlich anerkannten Skilehrer von St. Christina. Der Bedarf an Skilehrern stieg ständig, ab 1938 veranstaltete der Italienische Skiverband (FISI) Prüfungen auf dem Sellajoch.

Freilich musste in den ersten Jahren der anstrengende Aufstieg zu Fuß bewältigt werden. Die erste Aufstiegsanlage, die Seilbahn von St. Ulrich auf die Seiser Alm, wurde 1935 feierlich vom Kronprinzen Umberto von Savoyen eröffnet. Daneben gab es Ende der 1930er noch die beiden mit Seilwinde betriebenen Riesenschlitten („slittone“) von Wolkenstein zum Ciampinёi sowie zum Costabella (1938). Bereits 1935 wurde der Lift zum Mont Sëura fertig gestellt. Der ganz große Boom des Skisports nach dem Zweiten Weltkrieg führte zu einem raschen Ausbau der technischen Infrastruktur. Zwischen 1950 und 1970 wurden zahlreiche neue Aufstiegsanlagen errichtet: Lift da Mauron (1952), Lift zum Monte Pana (1958), Lift da Tieja (1958), Gondellift zum Col Raiser (1963, 1989 und 2008 renoviert). Auf Seceda wurde 1965 ein Skilift eröffnet, der in der Folge mehrmals umgebaut (1967 Einser-Sessellift, 1974 Doppel-Sessellift) und schließlich 1992 zum heutigen Vierer-Kuppellift „Fermeda“ erweitert wurde. Der Lift Catores-Martin besteht seit 1968, der Cuca-Skilift seit 1967. Ein inzwischen abgebauter Lift war 1966-77 zwischen Sofiehütte und Seceda-Bergstation in Betrieb.

1958 eröffnete Albert Demetz (da Iman) gemeinsam mit Tobia Senoner, Hubert Demetz und Carlo Perathoner die erste Skischule der Gemeinde. Der Standort, zunächst in der Nähe der damaligen „Bar Sport“ am Dossesplatz, wurde in der Folge mehrmals geändert, bis im Jahre 1990 der aktuelle Sitz im neuerrichteten Sportcenter Iman bezogen werden konnte. Auch der Austragungsort der Skikurse wechselte im Laufe der Zeit: Man übte auf dem Col dala Forcia, dann auf Runcac, dem Col da Mauron, dem Plan d’Artic, schließlich auf dem Plan da Tieja. 1970 wurden die Alpinen Skiweltmeisterschaften in Gröden ausgetragen – ein jahrelanger Werbeeffekt schien garantiert. Für das Großereignis wurde die berühmt-berüchtigte „Saslonch“-Abfahrtsstrecke neu gelegt. Seit 1969 werden dort nahezu jedes Jahr Weltcup-Rennen ausgetragen.

Durch die Eröffnung der beiden Sprungschanzen auf Monte Pana (2006) wurde das für einige Jahrzehnte nahezu in Vergessenheit geratene Skispringen wieder aufgegriffen. Bereits in den 1930ern gab es einige Skisprunganlagen im Tal: die Tutino-Sprungschanze im Langental (benannt nach der englischen Baronesse Tutino Steel, welche den Bau finanziell unterstützt hatte) und die kleine Schanze auf der Artic-Ebene, bei der mutigen Jugend als „Tervela-Schanze“ oder „Ducati-Sprung“ bekannt. Das Training auf diesen Anlagen ließ gar manche junge Grödner zu guten Athleten heranreifen, die bei den olympischen Disziplinen oder der berühmten Vierschanzentournee (so Albino Runggaldier da L’Ampezan) antreten konnten.

Das alpine Skilaufen wurde in der Nachkriegszeit zum Modesport, zum Vergnügen für die Massen und Teil einer riesigen Industrie. Längst haben die Nächtigungen des Winterhalbjahres jene des Sommers überholt. Gröden ist seit 1974 in eines der größten Skigebiete der Welt eingebettet, dem Skikarussell des „Dolomiti Superski“. Das Tal allein verfügt über 60 Kilometer Gondelbahnen, Seilbahnen und Lifte und über etwa 175 Pistenkilometer, wovon rund 90 Prozent künstlich beschneit werden. Enorme Wassermengen werden in die kalte Winterluft hinausgeschossen und in Schnee, das weiße Gold, verwandelt. Dem Gast wird ein weißes Vergnügen geboten wie kaum anderswo. Die Belastbarkeitsgrenzen des kleinen Tales scheinen erreicht. Nach wie vor ist eine möglichst naturbelassene Landschaft eine wesentliche Voraussetzung für den Tourismus, der wie kein anderer Wirtschaftszweig von einer attraktiven Umwelt abhängig ist. Immer lauter werden Gegenstimmen: Dem Massentourismus, dem „immer-schneller-und-immer-mehr“, soll endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Inzwischen lehnen die meisten Grödner Großveranstaltungen wie eine Ski-WM ab. Ein 1991 durchgeführtes Referendum zeigt jedoch, dass es Unterschiede zwischen den Gemeinden gibt: So sprachen sich die Ulricher größtenteils dagegen, die Wolkensteiner hingegen dafür aus, in St. Christina hielten sich Pro und Contra die Waage.

„Gröden“ ist inzwischen zu einem Markennamen für ein vielfältiges Fremdenverkehrsangebot, traditionsreiches Handwerk und naturnahe Landschaft geworden. Die künftige Generation hat dafür Sorge zu tragen, dass dies so bleiben möge, dass der Bogen nicht überspannt und ein gesundes Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Bedürfnissen gefunden werde.

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